Erster Comaking Space für Holzbearbeitung in Vorarlberg

Das Wichtigste zuerst:

Im ersten Comaking-Space.com von Vorarlberg finden kleine Schreinerei-Unternehmen mit 2-4 Mitarbeitern, EPUs und Kreative mit handwerklichem Schwerpunkt Holz die perfekte Möglichkeit, in einem fachlich kompetenten Umfeld und einer modern ausgestatteten Werkstatt ihrer Passion nachzugehen.

Bis zu 10 Tischlereien haben hier Platz und teilen sich einen Maschinenraum, der mit modernsten Holzbearbeitungsmaschinen ausgestattet ist.

Jede/r selbständige Co-Maker kann ungestört im eigenen Bankraum arbeiten und verfügt über eine Lagerfläche für den Warenein- und Ausgang.

Von meiner Betreiberfirma Timberline werden zusätzliche Serviceleistungen wie zum Beispiel Kalkulation, Arbeitsvorbereitung, CNC Fräsungen oder die Buchhaltung angeboten, die optional dazu gebucht werden können.

Unter dem gleichen Dach befinden sich außerdem noch 20 Büroarbeitsplätze für Architekten, Planer und Kreative sowie ein großer Raum für Workshops.

Hintergrund

Seit 8 Jahren betreibe ich in der Ostschweiz eine Betonmanufaktur (www.dade-design.com) und seit 2016 gehört auch die Tischlerei Timberline zur dade Gruppe. In den letzten 2,5 Jahren habe ich mich intensiv mit dem Business Modell von Schreinereien auseinandergesetzt. Die 3 Kernprobleme sind:

  • Geringe Material/Qualitätsunterschiede:
    «Oft werden die gleichen Materialien eingesetzt»
  • Margendruck trotz Baukonjunktur auf Spitzenniveau
    «Es gibt immer einen der unten reinschlägt»
  • Hoher Material- und Maschineneinsatz
    «Ohne CNC, Kantenleimer und mind. 500m2 Produktionsfläche geht es nicht»

Ich sehe heute im Markt 3 erfolgreiche Betriebsarten:
a) Lokal etablierte grössere Schreinereien, die eine eigene Planung und Design anbieten. Oftmals beschäftigen diese Betriebe gelernte (Innen-) Architekten und haben einen eigenen Showroom. Dadurch gelingt es, höhere Margen und Volumen für die eigens geplanten Objekte zu realisieren.

b) (Gross-) Betriebe, die sich der Automatisierung verschrieben haben. Diese lagern das Rohmaterial im Hochregallager und haben eine automatisierte Produktionsstrasse. Diese Betriebe gewinnen über Preis. (Skaleneffekte)

c) Nischenanbieter für Spezialteile, zB Massivholz Ausbauten oder reine Montagebetriebe

Branche in der Sackgasse

Bei der jährlichen Bilanzbesprechung bei der Lokalbank staune ich jeweils, wenn wir den Branchenvergleich vorgelegt bekommen. Die allermeisten Betriebe sind weder a), b) noch c) sondern «wursteln» alle mit eigenem Maschinenpark und in einer Betriebsgrösse von 3-20 Mitarbeitern. Auch wir. Aus den oben erwähnten Gründen ist es für diese Betriebe schwierig nachhaltig und profitabel zu wirtschaften, es sei denn man hat die Immobilie und Maschinen von seinen Eltern geerbt. Dazu kommt die Engstirnigkeit (hier und ennet der Grenze), dass jeder Betrieb alle Maschinen selbst besitzen will. Wenn ich Betriebe besuche, muss ich jeweils schmunzeln: Denn wie bei uns ist auch bei diesen Betrieben die CNC oftmals «gerade nicht in Betrieb». Rein ökonomisch müsste eine CNC sogar im 2 Schicht Betrieb gefahren werden, um eine solch teure Maschine finanzieren zu können. Zur Veranschaulichung dieser «Fixkosten-Problematik» habe ich diese grob vereinfachte Grafik für das Schreiner Gewerbe erstellt:

Das Spiel lautet: Wachse und erziele Skaleneffekte oder lass es sein.

Neben der Herausforderung in einem gesättigten Markt mit Konzept a) oder b) zu wachsen, stellt sich bei einer Wachstumsstrategie auch die Frage nach Profitabilität und Finanzierung. Eine Alternative wäre es, sich auf Montage sowie Kundenservice (Konzept c) zu fokussieren, das wollen wir aber nicht.

Innovation

Wir haben uns für Konzept D entschieden der Fixkosten Thematik zu entrinnen und gehen den Weg der «sharing economy». Natürlich hat auch dieses Konzept einige Hürden (Wer darf wann auf die Maschine? wer bezahlt Maschinenschäden?, …), aber unter dem Strich überwiegen die Chancen. Ich selber arbeite seit 7 Jahren in coworking Spaces – ich kann mir kein anderes Arbeiten mehr vorstellen.
Wir ermöglich mit unserem Konzept auch Markteintritte von jungen wilden, helfen bestehenden Kleinbetrieben beim Überleben, und erhalten & schaffen neue Arbeitsplätze in Dornbirn. Unter dem Strich ist unser Projekt ein schöner Business case für die Stadt Dornbirn und vielleicht müssen wir in ein paar Jahren gar nicht mehr zur Bilanzbesprechung zur Lokalbank.

Neben diesen ökonomischen Argumenten erhoffen wir uns, dass der co-making Space zur Kollaboration (gemeinsame Projekte) und (Produkt-, und Branchen-) Innovationen verhelfen wird. Ein erster Erfolg ist der Einzug von Luminoso – diese produzieren hinterleuchtete Edelhölzer u.a. für Aston Martin.

Andy Keel

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