Mein Jahresrückblick 2017: And nothing will change on new years eve. Oder doch?

Seit 7 Jahren bin ich als mehrfacher Unternehmer selbständig und schreibe jeweils einen Jahresrückblick – als Inspiration, für meine geschätzten Freunde und Feinde, die sich immer freuen über den Bericht von einem weiteren harten startup Jahr.

Das letzte Jahr 2017 (Motto: Produkte und Projekte) war für mich in jeder Hinsicht speziell – eigentlich verändert sich immer herzlich wenig… doch in meinem Leben ist nichts mehr so, wie es einmal war…

Vom loslassen:

Das Los von einem Unternehmer ist immer das gleiche: Man fängt weit unten an, arbeitet sich hoch, finanziert sein Unternehmen und hat – wenn man Glück hat – schlussendlich noch die Mehrheit am eigenen Unternehmen. Mein Vater hat vor 40 Jahren seine Koffer bei PWC gepackt und hat sich als Treuhänder im St. Galler Rheintal selbständig gemacht.

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Die Anfangsjahre waren hart und von Jahr zu Jahr hat mein Vater seine Firma KS Treuhand AG aufgebaut zu einem profitablen & nachhaltigen Unternehmen. Die 4 Nachfolger haben im Januar 2017 definitiv übernommen und meinen Vater verabschiedet. Leider ging diese Verabschiedung in mehreren Etappen dermassen in die Hosen – ohne jegliche Demut und Würde der jungen Eigentümer – dass das ganze Lebenswerk vor 300 versammelten Kunden mit einem Lego-Porsche (anstatt einem echten) regelrecht demontiert wurde. Aus eigener Erfahrung weiss ich nur allzusehr, wie hart sich dieses loslassen anfühlen musste und muss.

Dankbarkeit als Unternehmer kann man weder kaufen noch erwarten.

Alles Gute Papa in Deiner Pension! (…und ich hoffe, das Du unsere Buchhaltung die nächsten 20 Jahre führen wirst!)

Aber auch ich musste dieses Jahr loslassen. Am 2. April 2017 lieferte mich meine Partnerin in das Universitätsspital Zürich

(USZ) mit einer bis heute ungeklärten Infektion ein mit einer Antibiotika Resistenz. In den darauf folgenden 2 Wochen habe ich um mein Leben gekämpft mit einem ARDS auf der Lunge (Sterblichkeit >50%). Ich habe darüber berichtet.

2017 war ich über 20 Mal im USZ und habe nun die Gewissheit, nie mehr ganz gesund zu werden. Das hat mich und meine Familie dieses Jahr sehr beschäftigt. Der Tod – das endgültige Ende – setzt(e) so viele Dinge in (die richtige) Relation. Ich lebe mein Leben 2.0. mit viel Freude, Kraft und Konsequenz. (mehr dazu weiter unten)

it’s not over yet

Ich habe losgelassen von der Idee,

  • dass Gesundheit gegeben ist
  • dass meine Kraft unendlich ist
  • dass es immer irgendwie schon gut kommen wird … resp. …
  • dass es neben Fleiss & Flexibilität & Erfahrung eben auch Glück braucht als Unternehmen und Unternehmer.

2017 bedeutete auch von über 10 Mitarbeitern loszulassen. Einige ziehen auf ihren Wunsch neue Tracks in Schneefelder und ich wünsche Dir Silvan, Julio, Nathalie, Markus, Tanja & Julia alles GUTE auf Eurem neuen Weg. Nach 7 Gründungen und über 50 Rekrutierungen (mehr Infos hier) in den letzten 7 Jahren musste ich aber auch Kündigungen aussprechen und Arbeitsverträge beenden (Konsequenz).

Von 20 Rekrutierungen dieses Jahr (ca 60 Bewerbungsgespräche) haben sich zudem 4 Fehler eingeschlichen und es tut mir für die Personen leid, denn eine Fehlrekrutierung hat immer mit beiden Seiten zu tun und ist schmerzhaft.

Vom neu beginnen:

Neu begonnen dieses Jahr haben in den Keel.at Unternehmen:
Nina, Nadine, Chantal, Karin, Hussam (als gelernter Tischler, Flüchtling aus Damaskus Syrien), Sylvius, Rolf, Michèle, Guido, Gianluca, Andreas, Tabea & Linda. Es ist spannend zu sehen, wie sich unsere Transparenz, Werteorientierung und flexiblen Arbeitszeitmodellen auf die unterschiedlichsten Branchen, Berufe & Menschen positiv auswirken. #Teamistalles – Mehr Infos zu unserer Arbeitsweise und wie ich 4 Firmen in Teilzeit führe. (Blogbeitrag vom Herbst 2017 mit über 2000 Lesern)

Neu beginnen musste auch ich. Nach dem Entlassen vom Spital am Ostersonntag war ich im April schwer lungenkrank und hatte noch 68kg Körpergewicht.

Ich war bei Null …und habe mich mit Physiotherapie & täglichem Training zurück gekämpft. Ich kann wieder Bergtouren gehen, lange Rennvelostrecken zurück legen und Telemarken. Es fühlt sich an

wie ein Wunder

und ich bin für jeden Tag dankbar, wo ich ohne Schmerzen aufwache. Gleichzeitig wünsche ich meiner Mitarbeiterin alles Gute die gerade einen gesundheitlichen Schicksalsschlag hinnehmen muss. Und ich danke allen Mitarbeitern die selbstlos in die Bresche gesprungen sind – meine Absenz hatte fast keine Auswirkungen.

Besonders stolz bin ich auf meine Schwester Barbara die 2017 auch zur Unternehmerin wurde und die Nähschule Unique in St. Gallgen gegründet hat. Alles GUTE!

Und dieses Jahr neu begonnen hat auch die Gender Diversity Unternehmensberatung DOIT-smart. Mitgetragen vom Bund, dem Kanton Zürich und meiner Teilzeit AG starteten wir im 2. Oktober 17 und haben bereits erste namhafte Kunden (u.a. ABB und Bank CLER) sowie eine prall gefüllte Pipeline an Beratungsmandaten. (Jobangebote hier)

Frauenförderung ist nicht länger nice to have.

Unternehmen die sich für die kommenden Veränderungen fit machen wollen, kommen nicht darum herum, sich endlich mit ihren Bias und Boysclubs in der Geschätsleitung auseinander zu setzen und die Pipeline an guten Frauen zu hegen und zu pflegen. Elementarer Bestandteil sind dabei flexible Arbeitszeitmodelle – hier schliesst sich der Kreis mit meiner schon 9 Jahre alten Teilzeitkarriere.ch. Die Teilzeitkarriere ist nachwievor sehr erfolgreich und listet täglich rund 15’000 qualifizierte Teilzeitjobs. Seit dem Start von Teilzeitmann.ch sind über 100’000 Männer neu in Teilzeit eingestiegen.

Mein grosses Netzwerk und umfassende Erfahrung im Aufbau von Startups kann sich nun optimal entfalten. Design Thinking at it’s best! Danke für die super Unterstützung vom starken Team rund um Michèle & Nele und die vielen unglaublich hochkarätigen und lieben Menschen im nationalen Advisory Board – allen voran Helena, René, Senta & Irenka!

Gut Ding will (muss) fast immer Weile haben.

Neu begonnen hat auch mein Sohn, welcher sich im Sommer das Ellbogengelenk gebrochen hat und neu schreiben lernen musste.

Vom Leben in Einklang – und die Konsequenzen

Der Fokus auf das Wichtige – sowohl für mich, meine Seele und meinen Körper – aber auch für das Unternehmen ist entscheidend. Was tut mir gut? Was schadet mir? Welche Kunden tun uns gut? Wo gibt es Nachfrage und wo verwirklichen wir (oder ich) uns nur (wieder) selber? Welche Mitarbeiter brauchen wir für unsere Ambitionen? Wozu machen wir das überhaupt?

Wieviel Mut ist gut?

Zu meiner bekannten 4 Tage Woche (Mein Sohn ist nachwievor 10 pro Monat bei mir in Innsbruck) habe ich mein Leben weiter umgestellt – mache viel mehr Pausen – plane weniger eng (meistens :-)). Ich habe massiv Mitarbeiter aufgestockt und delegiere noch mehr. Zudem bin ich konsequenter geworden in meinen Entscheiden. Mein Augenmerk gehört neben dem Tagesgeschäft der Erarbeitung von langfristiger Substanz.

Vom Beton

Mit meinem Betonwerk dade haben wir dieses Jahr 15 neue Produkte lanciert – insbesondere unsere Betonwaschbecken Kollektion macht bereits 10% von unserem siebenstelligen Umsatz aus und an der Messe Neue Räume im November wurden wir regelrecht überrannt. Wir werden an der Möbelmesse Mailand vom 17-22. April 2018 das erste Mal selber ausstellen – auf Einladung der Switzerland Global Enterprise! (SECO)

Für viele Leute klingt meine Regel: Nicht mehr als eine neue Firma pro Jahr zu gründen oder kaufen absurd und unrealistisch – für mich ist es normal und zwingt mich zum Fokus. Dieses Jahr haben wir die Betonmanufaktur der Creabeton Matériaux AG per 30.9.2017 übernommen mit Produkten designed by Atelier OI.

Dieses Jahr wurde dade das erste Neumitglied seit 10 Jahren von Swissbeton. Wir haben unsere Mitgliedschaft aber wieder beendet. In einem uralten Branchenverband ohne Präsident haben Startups wenig verloren und den Sinn von einem verpflichtenden GAV wird mir ewig rätselhaft bleiben. Man stelle sich einmal vor, dass ein Internet-startup einem GAV unterstellt wäre??

2017 war für dade ein schwieriges Jahr der Konsolidierung und Neupositionierung weg von der Abhängigkeit vom Küchenarbeitsplatten-Handel hin zum Projektgeschäft. So haben wir zB das neue Hard Rock Hotel in Davos umgesetzt. In Altstätten haben wir unsere Produktionsfläche auf 700m2 erweitert. Sind wir die Jahre zuvor jeweils 100% (Umsatz) gewachsen, liegen wir dieses Jahr zu Weihnachten nur bei 25%. Entsprechend anspruchsvoll ist die rollende Liquiditäts- und Businessplanung.

Vom Holz

Letztes Jahr habe ich hier von der Beteiligung an Timberline.at in Vorarlberg berichtet. Die Idee war und ist, dass dade und timberline zukünftig ganze Küchen und Innenausbauten selber umsetzen und wir im Formenbau Zugang zur CNC Technologie haben. Des weiteren lancieren wir eine eigene Möbellinie (wir starten 2018 mit Waschtisch-Unterbauten).

Leider haben wir das Jahr 2017 damit verbracht, unsere Liquiditäts- und Mitarbeiter Sorgen zu lösen. Werner und Christine mit ihrem Team haben gekämpft wie Löwen und wir beenden das Jahr mit einer roten Null. Immerhin gab es eine neue Homepage und wir konnten einige coole Projekte umsetzen, u.a. die Volksschule Höchst, eine outdoor Küche in Wimbledon London und Innenausbau in St. Anton. Mein Tischler Knowhow steigt von Woche zu Woche 🙂 und wir legen nun so richtig los.

Was zählt sind am Schluss die Begegnungen mit Würde und Respekt im Alltag mit Mitarbeitern, Lieferanten und Kunden –
und die engsten Freude und Familie.

Dieses Jahr durfte ich viele lässige Trips machen und Freundschaften pflegen – einige highlights: Wirtschaftsball im Ballkleid & Smoking mit dem legendären Sektempfang bei mir in Innsbruck, der Fasnacht in Altstätten mit Trompete bei den Kesselbächlern, Skitage in Wengen & Adelboden mit meinem Freund Jürg, Skitage im Wallis mit Götti-Alfons, Stars & Sound Murten mit Steph, dem dade BBQ mit 100 Litern Bier und 60 Steaks, dem Besuch der Eltern von Angela sowie Mike & Tammy aus Toronto, Oktoberfest in München & Wandertage am Wilden Kaiser mit Birgit, usw usw…

Meine rund 7 Wochen Ferien dieses Jahr verbrachten wir
– In Südtirol im Alpen Testin
– Im Wallis bei Kate & Robbie
– In Verbier mit Lauric und Lermoos mit Andrea
– In Mallorca mit meinem Freund Pascal
– in Kambodcha & Thailand mit Angela & meinem Sohn der dort 9 geworden ist.

– im Zelt in Tenero
– in Wien & Istanbul

Jedes Jahr setze ich mir Ziele (nicht öffentlich) und ein Motto.

Mein Motto 2018: FOKUS

Ich freue mich sehr, dass viele Menschen in meiner Geschichte und Person Kraft und Zuversicht schöpfen. 2017 durfte ich im Buch Beruf & Berufung einen Part übernehmen und habe 10 Keynotes bei Konferenzen gehalten.

Wenn man einmal realisiert, dass ankommen gar nicht so lustig ist, wird der Weg umso wertvoller.

Ich werde meinen Weg weiter gehen – bis er zu Ende ist.

Andy Keel

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