Jahresrückblick 2018 – #collectMomentsnotThings

Seit Beginn meiner Startup-Jahre mache ich einen Jahresrückblick – jeweils eine persönliche Reflektion und eine öffentliche Version für meine Freunde. Das Jahr 2018 hatte das Motto «FOKUS» – und das habe ich befolgt. Es war das erste Jahr wo ich keine Firma gegründet oder gekauft habe.

Fokus ist langweilig

Ein ADHS-Kind bleibt auch als Erwachsener aktiv. Ende 2015 habe ich meine Startup-Beteiligungen verkauft (ich habe darüber berichtet) und mich voll auf die beiden Standbeine Teilzeit/Diversity und Beton/Möbelbau fokussiert. In diesem Sinne war das 2018er Motto Fokus nicht revolutionär neu. Ich habe vor einem Jahr schon gespürt (und errechnet), dass 2018 das Jahr des Durchbruchs wird – alle meine 4 Firmen sind nun profitabel und es galt und gilt nun aus Startups standfeste KMU’s zu machen. Das ist nicht sonderlich aufregend, denn dazu gehört es Prozesse und Strukturen zu gestalten, Kundensegmentierung, Margenoptimierung, usw. Für mich ist das anstrengend und langweilig (Tätigkeit ohne jegliches Adrenalin) – doch ich kann auf ein tolles Team mit mittlerweile 34 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zählen. Für das Weihnachtsessen in Davos brauchten wir erstmals einen Reise Car. Neu im Team dieses Jahr sind Isabelle, Reini, René, Jasmine, Sarah & Carolin. (2 Temporäre Mitarbeiter haben es nicht geschafft, der eine war faul, der andere hatte ein Alkoholproblem und ist mit 1,9 Promille am Zoll hängen geblieben nach dem Arbeiten – kein Scherz).

Gewinn & Wachstum

Beim Jahresabschluss von dade diesen Sommer musste ich mich zum ersten Mal mit dem Thema Gewinn beschäftigen. Die Sachlage ist relativ einfach, da mir dade zu 90% gehört. Ich bin – 10 Jahre nach meinem Aus bei der Bank – wieder auf theoretischem Spitzenverdiener-Niveau angelangt. Viele Unternehmer würden nun sagen: ich habe alles riskiert, jahrelang unbezahlt gearbeitet – jetzt kann ich ernten (und reich werden). Ich habe mich anders entschieden und ein Gewinn-Verwendungsmodell nach meinem grossen Vorbild Patagonia (Corp B) gestaltet. Kurz: Das Kapital wird mit 2% verzinst (=mein Gewinn), der Rest geht 50/50 in die Reserven und an die Mitarbeiter, wobei ein Teil gespendet wird. (Ausführliche Infos dazu hier).

Auch habe ich mich 2018 intensiv mit dem Thema Wachstum beschäftigt. Wir wachsen jährlich mit ca. 40% – das ist unglaublich. Meine Gedanken zu Wachstum findet ihr hier. Noch habe ich keine Entscheidung getroffen, wahrscheinlich jedoch werde ich dade im Wachstum bald beschränken.

Gesundheit & Freundschaft

Wie ihr wisst, bin ich 2017 dem Tod von der Schippe gesprungen (Infos) – seit da trage ich im Alltag oft eine Leichtigkeit in mir. Diese Leichtigkeit wird 2x im Jahr gestört, wenn ich ins Universitätsspital zur Kontrolle muss – die Tage vor dem Resultat sind geprägt von schlechter Laune und schlaflosen Nächten.


Doch wie alles im Leben gibt es auch eine positive Seite daraus: – seit dem Tiefschlag musste ich Krafttraining und Physio machen. Ich habe diesen neuen Rhythmus 2018 gleich weitergezogen und wurde dieses Jahr sehr fit. Ich kann 100km Rennrad oder einen Halbmarathon aus dem Stand laufen und habe ein tolles Körpergefühl entwickelt. (und das nicht um 5 Uhr in der Früh auf dem Spinning Bike wie die bekloppten Manager, sondern an einem sonnigen Donnertag Nachmittag draussen) Auch hatte ich mit fast 40 Skitagen, unzähligen Ausfahrten am Rennrad & Bike und 8 Wochen Ferien ein fantastisches Jahr. Das Highlight war die Snowboard-Ferien in Japan (habe noch nie so viel Schnee gesehen in meinem Leben) und der Besuch der Olympischen Spiele in Pyong Chang in Südkorea.

Was ich im Alltag extrem schätze, sind die vielen kleinen Dinge die liebe Menschen für mich tun (oder ich für sie tun kann) und tolle Begegnungen und Freundschaften.

Ganz besonders sind die Momente mit meinen besten Freunden und Familie – …nur ein Auszug von 2018: Lauberhorn herunter brettern, in der Alpenrose bei Andrea, Auf dem Züri- und Thunersee, in der Aare schwimmen, Montags Lunch von meiner Mama, Fasnacht der Guggenmusik Kesselbächler, Wirtschaftsball im Smoking, Live Rock-Konzert von Gerhard, Hochgebirgstour mit Birgit, Tote Hosen mit meinem Göttibueb, Zürich Film Festival, Oktoberfest, und und und.

Dade an der Möbelmesse Mailand

Highlight 2018 war unser Besuch an der Möbelmesse il Salone in Mailand im April. Mit unserer Ausstellung haben wir für Furore gesorgt und der CEO von Archello nannte uns die Newcomer des Jahres. Wir haben unsere erste eigene Betonküche sowie unsere Betonwaschbecken Kollektion und Wandpaneele gezeigt.

Zudem konnten wir tolle Aufträge für eine Kleiderboutique in Dubai, für die Beautykette Crabtree & Evelyn in London sowie das Schweizer Fernsehen und den Nobelkebab Ayverdis beim Albisriederplatz in Zürich ausführen. (Hier geht’s zu den Projekten) Unter dem Motto Fokus haben wir zudem unser Tiefbau-Elementgeschäft an Kobler Cementwaren verkauft. (Dieses Jahr also doch eine Firmentransaktion 😊).

Unsere Tischlerei Timberline – rund um das Team von Werner – hatte ein gutes Jahr. Wir haben die Maschinen fertig abbezahlt, konnten für BLUM tolle Aufträge ausführen und sind deutlich ins Plus gerutscht. Was uns nun guttun würde, wären 2 weitere Tischler. Es ist verrückt, wir finden keine Arbeitskräfte in Vorarlberg.

Muster – eigentlich bin ich jeweils am Mittwochabend müde

Doch auch ich habe meine Muster – ich bin manchmal gestresst, versuche ständig zu pushen – neue Kunden zu gewinnen, Produkte besser zu machen, die Profitabilität und Liquidität zu halten. Üblicherweise pushe ich Mo-Mi relativ hart und bin Do und Freitag am entschleunigen. Ich möchte 2019 noch mehr in den Flow kommen und Dinge einfach passieren lassen. Nach all den Jahren wo ich am 15ten vom Monat nicht wusste, wie ich die Löhne am 30sten zahle – fällt es mir schwer loszulassen. Ich leide darunter. Hast Du Dich selber schon einmal gefragt was Deine Muster sind?

Möblieren und Entrümpeln

Im Februar 2018 konnten meine Partnerin Angela & ich im Seefeld Zürich eine neue Dachwohnung beziehen. Wir sind nun auch so ein privilegiertes Superpaar mit Superwohnung … insb. da wir an der Möbelmesse Mailand unser Interior gekauft haben. (Ganz geil) Toll war auch die Houswarming!

Entrümpelt habe ich dieses Jahr u.a. den Dodge RAM mit 400 PS im Betonwerk (eigentlich unpraktisch und CO2 technisch nicht mehr vertretbar) und den Wohnwagen, in dem ich 5 Jahre am Zürichsee gelebt habe. Mein 10-jähriger Sohn Jaron und ich haben diese super Zeit diesen Sommer nochmals Revue passieren lassen. Jeden Abend haben wir gegrillt, gebadet, getrunken und gelacht – viele von Euch waren zu Besuch. Mein Sohn ist nachwievor 2×5 Tage bei mir in Innsbruck – wir verbringen (ausser wenn er Hausaufgaben machen muss) eine wundervolle und intensive Zeit.

Das letzte Abendmahl

Diese Weihnachtskarte hat eine St. Galler Raiffeisenbank versendet. Die meisten Leute, welche ich zu der Karte befragt habe, finden die Karte lustig oder mindestens ok. Ich finde sie erschreckend. Eine Horde Männer verfrisst die Rendite der Genossenschafter, ohne eine Frau im Kader zu haben. Das ist Normalität – in den Schweizer Geschäftsleitungen finden sich lediglich 6% Frauen. Wir haben eine Studie mit grossem medialem Echo im Oktober publiziert.

Mit meiner Gender Diversity Consulting Firma DOIT-smart konnten wir 2018 namhafte Mandate bei rund einem Dutzend Kunden durchführen (u.a. FINMA und ABB). Im Q4 haben wir – ca. 1 Jahr nach dem Start – bereits um den Break-even gewirtschaftet. Es gibt in der Schweiz noch sehr viel zu tun – sowohl von der Politik, von den Frauen selber und von den Unternehmen. Prägend dabei sind Stereotypen (Fachsprache Unsconscious Bias) – es sind unbewusste Verhaltensmuster, welche es Frauen verunmöglichen im mittleren und oberen Kader zu reüssieren. Die Vertiefung mit dem Bias Thema – den Theorien des Nobelpreisträgers Kahnemann (Thinking fast and slow) sowie Verhaltensökonomie waren meine key learnings 2018.

Natürlich gibt es auch die Teilzeit AG mit der Teilzeitkarriere.ch und den Teilzeitmann.ch noch. Jahr für Jahr listen wir mehrere zehntausend qualifizierte Teilzeitjobs und auch als Keynote Speaker bin ich fleissig unterwegs. (9 dieses Jahr)

Alter Sack

Dass mein schütteres Haar nun auch noch grau wird an den Schläfen ist mir schon länger aufgefallen. (ich bin zum 2mm Schnitt übergegangen) Mit meinem 40 Geburtstag im November sind die Jugendjahre definitiv vorbei. Den Geburtstag habe ich über mehrere Tage mit meinen Freunden intensiv gefeiert – für mich der schönste Moment 2018.

Nachhaltigkeit.

Für mich wird das Thema immer wichtiger, insb. seit ich realisiert habe – dass ich nur eine sehr kleine und beschränkte Zeit auf der Welt verbringen werde. Mit meinem Leben, Handeln (zB als CEO meiner Firmen) und den Reisen möchte ich die Welt nicht belasten. So neutralisiert dade den CO2 Ausstoss seit 2016 (wohl das erste Co2 neutrale Betonwerk auf der Welt) und seit diesem Jahr habe ich auch meine Reisen, welche 10 Tonnen CO2 produziert haben, neutralisiert. (Ich war mit dem Flugzeug in Japan, Seoul, Pyong Chang, Canada, Paris, Amsterdam und habe – neben meinem GA – auch noch 11’000km mit dem Auto gemacht) Wer es mir gleich tun möchte: Co2 Rechner / CO2 neutralisieren mit einem Zertifikat von https://www.carbon-connect.ch von Pascal Freudenreich.

Auch meine tolle Partnerin Angela beschäftigt sich beruflich mit dem Thema – als Leiterin der ganzen Nachhaltigkeitsbemühungen von UBS dreht sie an einem riesigen Schwungrad und hat im Herbst eine fantastische Kampagne lanciert.

Der nächste Schritt in einem gemässigten & sozialen (siehe Gedanken zu Wachstum und Gewinnverwendung) sowie annähernd klimaneutralen eigenen Leben ist (dazu würde auch noch Verzicht auf Rindfleisch gehören), einen positiven Impact für die Welt zu machen. Meine Bewunderung steigt von Jahr zu Jahr für Startups, die das tun. (Sinnfrage: Warum arbeite ich für Firma xyz? – Warum gründe ich ein Startup?). Falls ich jemals nochmals eine Firma gründen werde, dann hat diese Firma einen positiven Impact für die Welt (kann auch sozial sein). Vermutlich wäre mein Beitrag damit auch wesentlicher als dass ich mich 2019 als Nationalrat aufstellen lasse. (war 2018 so ein Gedanke)

25+25

Ich arbeite seit ich 15 Jahre alt bin, also seit 25 Jahren. Bis zur Pension sind es nochmals 25 Jahre. Es stellt sich mir eine schöne Frage: Wie will ich die nächsten 25 Jahre gestalten?

Ich realisiere immer mehr, wie unglaublich privilegiert ich bin. Ich habe aus vielen vielen Fehlern gelernt und habe heute die Zügel von meinen Leben in der Hand. Ich entscheide was ich tue, wann wo und wie ich arbeite, wieviel Freizeit und Ferien ich brauche, wieviel Lohn ich benötige, mit wem ich Zeit verbringen will, mache mit mir selber Verwaltungsratssitzungen und habe Anwälte als Dienstleister und nicht mehr mitten in meinem Leben. 2018 kam alles in beste Ordnung – es gibt eigentlich gar keine einzige Baustelle mehr.

Die Frage ist nun was ich daraus mache. Meinem Muster zu folgen (siehe vorgängig) würde das heissen, wieder etwas Neues zu beginnen oder einen fuck-up zu produzieren. Ich hoffe sehr, dass mir das erspart bleibt und ich die nächsten 25 Jahre nutzen kann um viel Gutes zu tun für diese Welt.

Vielleicht inspiriert Euch ja mein Jahresrückblick selber mit dem Sinn des eigenen Lebens zu beschäftigen.

Auf gemeinsame Momente (#collectMomentsnotThings – war das Motto von meinem 40er) und gemeinsame Taten 2019. #teamistalles

Andy

PS: Motto 2019 – Go with the flow

Hier geht es zum Jahresrückblick 2017

Andy Keel

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