BIM – Einblicke in digitales bauen

BIM – Einblicke in digitales bauen

Oft hört man: «BIM funktioniert noch nicht», «lohnt sich nicht», «viel zu kompliziert». In meinen Handwerks-Unternehmen (Betonwerk dade design.com und Schreinerei Timberline.at) haben wir den Corona-Lockdown genützt, um unter der Leitung von Marija Urbaite die BIM Technologie einzuführen.

BIM steht für eine neue Arbeitsweise – aus meiner Sicht ist es die Pflicht der Generation X, diese auch umzusetzen. (#Leadingthechange) Anhand eines konkreten Beispiels möchte ich laufend aktuelle Einblicke in diese Arbeitsweise geben und das «Erlernte» in diesem Blog dokumentieren.

Was ist BIM?

BIM steht für Building Information Modelling und ist im Kern ganz simpel: Die Architektur plant in einem dreidimensionalen Modell. Mit little BIM wird dadurch einfach die Planungsgenauigkeit erhöht. Mit big BIM werden

Fachplaner und Gewerke wie Holzbau, Fenster, Sanitär, Elektro mit eingebunden. Diese holen sich ihre Informationen aus dem Modell der Architekten, planen mit ihrer eigenen Software und laden ihre (3D) Planung dann wieder in das Modell hoch. Durch diesen Konsolidierungsprozess werden Konflikte, Überschneidungen und Fehlplanungen sichtbar und können in einem Prozess – ähnlich wie SCRUM in der IT Programmierung – in sogenannten Sprints gelöst werden.

Für BIM braucht es drei Zutaten

A) Eine Architekturplanung in 3D (REVIT, ARCHICAD, Vectorworks, Allplan usw..)
B) Eine Konsolidierungs-Software: Wir haben uns für BIMcollab.com entschieden
C) Eine Projektmanagement-Software die Sprints abbilden kann: Wir haben uns für Monday.com entschieden (Alternativen sind Generalisten wie Slack, Asana, Redbooth oder spezialisierte Software wie das Schweizer Startup Buildagil)

Warum BIM?

Der Digitalisiserungsstand in vielen Betrieben nimmt ständig zu. Das heisst konkret – viele Metallbauer, Schreiner etc. planen (in Autocad, Solidworks, RHINO) heute bereits 3D, um ihre CNC & Laser Maschinen anzusteuern.

Durch einen digitalen Austausch der 3D Modelle entstehen enorme Effizienzgewinne in der Planung. Bei vielen Gewerken machen der Verkauf und die Planung bis zu 30% der Wertschöpfung aus.

Weiters sollen Fehler vermieden werden. Jedes Jahr stehe ich auf mindestens einem Dutzend Baustellen, wo Fehler passiert sind. Die Leiter der Gewerke vor Ort haben jedoch nur ihren ausgedruckten und vom Architekten physisch unterzeichneten .pdf Plan und sagen: «Aber ich habe richtig gebaut». Baufehler und Baumängel kosten Unsummen an Geld.

Ein weiterer wichtiger Punkt ist die Baugeschwindigkeit. Je klarer die Planung und je grösser die Zusammenarbeit der einzelnen Handwerker auf dem Bau, desto schneller und schlussendlich auch besser ist eine Baustelle beziehungsweise das Resultat. Durch die Koordination mit einer Projektmanagement-Software und einer einzigen «single source of truth» könnten allein für ein kleineres Projekt wie ein Einfamilienhaus tausende Emails eingespart werden. Last but not least dient ein BIM Modell zukünftig auch der Baudokumentation. Im Modell ist zB exakt ersichtlich, wo eine Leitung verläuft oder wo später zB einmal eine PV Anlage eingebaut werden kann.

Projekt Gorwiden, Zürich

Wie eingangs erwähnt, haben wir in meinen Betrieben ein umfassendes BIM Projekt gestartet. In Zürich Oerlikon wird ein Dach

aufgestockt. Die zwei dade APARTMENTS sind konsequent BIM geplant. Die Baueingabe ist gemacht – nun folgt die Fachplanung, die vollumfänglich in BIM geschieht. Als erster Partner für die Holzfachplanung wurde RENGGLI gewonnen. Jeremias Burch baut dort in eindrücklicher Geschwindigkeit eine ganze BIM Abteilung auf. Ich werde hier in diesem Blog über unsere Erfahrungen im Projekt laufend berichten. Wer dem Projekt folgen will, kann unter folgendem Login Lese-Zugriff auf unser Projekt bekommen:

https://bimcollab.com:
Username: info@urbaite.studio
Kennwort: abcd1234

BIM bei dade-design

Unser internes BIM Fitness Projekt im Betonwerk ist in drei Streams aufgeteilt:

  1. BIM Marketing
  2. BIM Planung
  3. BIM Vernetzung

Unter BIM Marketing werden wir im Verlauf des Jahres 2020 sämtliche Produkte von uns als .ifc sowie .3DM (RHINO) und .pln (ARCHICAD) auf unserer Website sowie auf spezifischen Plattformen wie Bimobjects.com zur Verfügung stellen. Die ersten Modelle wie für das Betonwaschbecken dade CASSA 60 oder die Betonbadewanne dade WAVE sind bereits verfügbar.

Unter BIM Planung verstehen wir einerseits die eigene Projektentwicklung (siehe Gorwiden) andererseits auch die interne 3D Planung. Seit 2019 planen wir sämtliche Aufträge bereits in 3D, was enorme Vorteile – zB in der Visualisierung des Formenbaus und Vernetzung der Maschinen – bringt. Der nächste Schritt besteht in der konsequenten Nachfrage nach 3D Modellen bei den Auftraggebern für unsere Werkplanungen. Unsere 3D Planung stellen wir danach wiederum als .ifc und .3DM zur Verfügung.

Ziel ist es, 2021 mindestens 10 Aufträge in dieser Form abzuwickeln inkl. einer Freigabe und ohne ein .pdf unterzeichnetes Korrex. Des weiteren haben wir begonnen, das Aufmass mit 3D Scans vorzunehmen. Hier planen wir ein neues Angebot im Bereich Badrenovierung.

Unter BIM Vernetzung verstehen wir die interne Durchgängigkeit der 3D Planung. Heute können wir beispielsweise von einem in RHINO gezeichneten Betonwaschbecken nicht direkt eine CNC ansteuern, um die Innenkontur des Beckens zu fräsen. Auch in der Schreinerei gibt es diverse Medienbrüche zwischen 3D Planung und CNC-Maschinensteuerung, die wir somit (hoffentlich) überwinden werden.

Andy Keel

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