Jahresrückblick 2019 Vol 7 – Craziness

Gross denken & satt sein / Neid und Gier – nicht bei mir / Balance & Party

Seit 7 Jahren mache ich einen Jahresrückblick – Birgit Ströbel hat mich damals darauf gebracht jeweils am Jahresende zu reflektieren: Was läuft gut? – was muss geändert werden? Aber auch um inne zu halten, was denn alles war. Den öffentlichen und unternehmerischen Teil dieser Reflektion teile ich auch dieses Jahr gerne wieder mit Euch. Wir leben in einem irrsinnigen Tempo, dass wir viel zu schnell vergessen, welche tollen Begegnungen wir hatten. Ich danke Euch von Herzen für diese Begegnungen.

Go with the flow

… war das Motto von diesem Jahr. Der Titel vom Absatz müsste eigentlich heissen: mühsam – oder freundlicher formuliert: konsolidiert
Es war ein schwieriges Jahr – hauptsächlich in meinen Unternehmen (Überblick) aber auch mit Jaron, meinem 11-jährigen Sohn. Dieser kam in das Langzeitgymnasium Sillgasse in Innsbruck – als Legastheniker. Wir werden sehen wie dieses Abenteuer ausgehen wird, als Vater war ich jedenfalls sehr gefordert mit ihm. In den Unternehmen hatten wir 2018 ein riesiges hoch, alle Unternehmen bilanzierten deutlich positiv. Dieses Jahr schleppten wir uns durch – es war nie ein richtiger Flow drin und entsprechend zäh sind die Jahresabschlüsse. Wir haben viele Prozesse optimiert. Zudem hatten wir beim Personal 10 Neueinstellungen und 10 Abgänge, einige taten weh. (derzeit 4 offene Stellen)

Balance & Party

Immerhin ist es mir gelungen, auch dieses Jahr die Balance zu halten mit 7 Wochen Ferien. Ich liebe es, wenn das Jahr verschiedene Tempi hat. Im Sommer sowie Nov/Dez war das Tempo extrem hoch – es gab aber viele ruhige Monate. Wir durften Kenia bereisen (inkl. Safari, ein wunderschönes Erlebnis – Löwenbilder ersparte ich euch😉), waren in Kanada und haben viel Sport gemacht. Surfen in Marokko, rund 40’000 Höhenmeter am Fahrrad / Tourenski und 30 Skitage (u.a. mit Jürg, Titus, Birgit, Michi, Gerhard, ….). Ich bin fit wie ein Turnschuh und überstehe die halbjährlichen Checks jeweils mit Bravour (Vgl Leben2.0 – das Nahtoderlebnis liegt jetzt schon 2,5 Jahre hinter mir). Berlin, Prag, Amsterdam, Brügge, Luxemburg und natürlich viele Partys – dieses Jahr 3 Tage Oktoberfest in München, Fasnacht in Altstätten mit der Guggenmusik, Zürifäscht, 60er von Andrea, Bon Jovi, usw usw.

Gross denken & satt sein

Wie ihr wisst bin ich ein grosser Fan von bootstrapping – also dem organischen Wachstum aus eigener Kraft/Liquidität. Die grosse Gefahr von diesem Konzept ist jedoch, dass man zu klein denkt und handelt. Dieses Jahr konnte ich mich davon lösen und habe grössere Investitionen angestossen. Ich vermute stark, dass das mit meinem Gesundheitszustand sowie der überwundenen 40er Krise zu tun hat. Geld resp. reich zu werden, interessiert mich nachwievor überhaupt nicht. Mehr als ein Schnitzel am Tag kann ich sowieso nicht essen und ich habe absolut alles in meinem Leben. Ich liebe dieses «satt» Gefühl, welches ich damals im Wohnwagen am Zürichsee erfahren durfte und nie mehr loslassen werde.

Das Highlight 2019 war die Eröffnung vom www.comaking-space.com in Dornbirn.

Wir haben unsere Tischlerei in eine riesige Produktionshalle übersiedelt und stellen unseren Maschinenpark bis zu 10 Mietern (kleine Schreinereien) zur Verfügung. Der Weg zum Vertrag war ein Krimi – Adrenalin im Unternehmerleben! Wir sind nun schon mit 60% belegt – als uns unsere Eltern im Sommer an die Bregenzer Festspiele zu Rigoletto eingeladen hatten, ahnte noch niemand, dass genau diese Festspiele bei uns einziehen würden. Das Bühnenbild 2021 wird bei uns gefertigt werden. Weitere grössere Projekte kommen 2020.

Machen ist wie wollen – nur krasser

Unter diesem Titel habe ich 2019 eine neue Keynote erarbeitet und die Tour im Herbst gestartet. Ich gebe es zu, es macht Spass auf Bühnen zu stehen. Noch mehr Spass macht es aber, Menschen zu inspirieren und motivieren. Ich hatte viele schöne Gespräche, wo mir unglaublich starke Menschen ihr Innerstes anvertraut und um Rat gefragt haben. Für mich ist es eine Ehre solche Gespräche führen zu dürfen. Erfolg ist so relativ und wir werden die ganze Zeit von Ruhmesgeschichten in den Medien geblendet oder von Glaubenssätzen unsichtbar geführt.

Neid und Gier – nicht bei mir

2018 hatte ich mir grundlegende Gedanken zu Wachstum und Gewinnen gemacht. Ich musste 2019 beide Positionen überdenken. Die Idee von Partizipation hatte genau das Gegenteil zur Wirkung, denn es hatte sich eine Neid & Gier Kultur eingeschlichen. Vielen Grundsätzen von Holacracy (hier mehr dazu) bleibe ich treu, allerdings greife ich neu beim Finanziellen auf die alten KMU Tugenden zurück und werde nur noch Anteile an 13ten Monatslöhnen auszahlen. Dies paritätisch entlang vom Pensum an alle – von Leistungsvereinbarungen sowie Noten zur Zielerreichung und Verhalten halte ich nachwievor herzlich wenig bei erwachsenen Menschen. Es geht um das Kollektiv und um Wertschätzung.

Getting out of operations

…ist das Motto 2020. Dies nicht, weil ich es nicht liebe mit Arbeitshosen im Betonwerk zu stehen oder bei Kunden einen Diversity

Workshop zu moderieren. Primär aus Schutz nicht wieder ein Vollzeitmann zu werden. Ich möchte nicht ständig busy sein, sondern Zeit haben. Mit 4 Unternehmen, 34 Mitarbeitenden, 3 Mio Umsatz muss ich meine Rolle anpassen um nicht wie ein Hamster im Rad abzu(b)rennen (hier mehr zur persönlichen Arbeitstechnik). So habe ich bereits 2019 begonnen in jeder Firma eine Geschäftsleitung zu etablieren.

10 Jahre Teilzeitkarriere.ch

Im Dezember habe ich mich von der Community mit einem Newsletter am 12’000 Empfänger als CEO verabschiedet. Die Bilanz fällt nüchtern aus was die Themen Gender Diversity und Flexwork betrifft. Das grosse Highlight sind +107’000 Teilzeitmänner – die Quote ist von 12% auf fast 18% in der Schweiz gestiegen. Dazu hatten wir einen massgeblichen Anteil. Mich macht das stolz.

Beton macht Freude

Auch dieses Jahr durften wir wieder super Projekte umsetzen – u.a. die neuen Fernsehstudios vom SRF oder das Hotel Zürichberg. Zudem werden unsere Anfragen immer internationaler, aktuell beschäftigen wir uns gerade mit einem Projekt in NY mit einem transluzenten Beton. 2019 haben wir nun endlich den Schritt in den 3d Druck gemacht und haben in Mailand unser erstes rein digital gefertigtes Produkt gezeigt. Zudem haben wir konsequent auf eine BIM fähige 3d Planung umgestellt – die Digitalisierung der Baubranche nimmt für mich immer klarere Konturen an. Ich möchte diese Opportunitäten erschliessen – vieles erinnert mich an die Anfänge vom Web in den 2000er oder der Beginn von Mobile und Social in den 2010er Jahren. Für 2020 habe ich uns ein Kunstprojekt und einen Produktestopp verordnet. Unter dem Titel «Travel heavy» werden wir «Gepäck» als Kunstinstallation produzieren und irgendwo, irgendwann kuratiert ausstellen. (Ideen und alte coole Gepäckstücke nehmen wir gerne entgegen!)

Craziness

Es gibt Tage, da denke ich, dass ich schon 3 Leben gelebt habe. Oft kommt es mir aber auch vor, als hätte alles erst begonnen. Ich finde meinen Alltag spannend und in Bewegung – ich habe noch lange nicht genug. Der einzige Wunsch derzeit ist ein Verwaltungsratsmandat in einem grossen Unternehmen.

Allerdings kommt immer auch wieder der Gedanke hoch, irgendwann und irgendwo nochmals etwas komplett anderes zu machen. Manchmal ist mir der Alltag in Zentraleuropa zu «predictable» – es ist langweilig, wenn alles immer funktioniert oder Leute auf der Baustelle die Nerven verlieren wenn mal ein Armaturloch nur 33 statt 35mm ist. Irgendwie hat die Wiener Reporterin in der ZEIT formuliert, was ich schon länger spüre aber nicht genau artikulieren konnte. Wo ist der Exzess? Wo ist der Konzern, der radikal neu denkt? Wo ist das ultimativ Schöne? …vieles haben wir selbst in der Hand. Wir können die craziness und barockes Lebensgefühl einfach im Alltag leben. Bist Du dabei?

Andy Keel

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